28. Mai 2026     |

Warum institutionelles Kapital weiterhin auf Ethereum setzt

Written by CoinShares

Wer verstehen möchte, wo etablierte Finanzinstitutionen echtes Kapital in eine öffentliche Blockchain investieren, sollte sich tokenisierte Fonds ansehen. Dabei handelt es sich um regulierte Anlagevehikel — überwiegend investiert in kurzlaufende US-Treasuries — deren Eigentumsregister on-chain geführt werden statt bei einem traditionellen Transferagenten. Sie sind bewusst unspektakulär. Genau das ist der Punkt.

Stand Mai 2026 belaufen sich die gesamten Vermögenswerte in tokenisierten Fonds weltweit auf 28,74 Milliarden US-Dollar,1 gegenüber rund 12,5 Milliarden US-Dollar ein Jahr zuvor — ein Anstieg von rund 129 %.1

Die Namen hinter diesem Wachstum sind bekannt. Die Renditeprodukte sUSDS und sDAI von Sky summieren sich gemeinsam auf 6,59 Milliarden US-Dollar.1 BlackRocks BUIDL steht bei 2,42 Milliarden US-Dollar,1 Franklin Templetons BENJI-Plattform bei 2,15 Milliarden US-Dollar,1 Ondo Finance bei 1,81 Milliarden US-Dollar über zwei Produkte1 und Maple Finance bei 1,80 Milliarden US-Dollar.1 Centrifuge, Superstate, WisdomTree und Apollo verwalten jeweils zwischen 100 Millionen und 1,5 Milliarden US-Dollar an On-Chain-Fondsvermögen.1

Eine Chain dominiert den Markt weiterhin

Die implizite Frage lautet, ob all diese Aktivität Ethereum als Anlageoption relevanter macht. Die Datenlage beantwortet den ersten Teil dieser Frage eindeutig. Von den 28,74 Milliarden US-Dollar an tokenisiertem Fonds-AuM entfallen 16,85 Milliarden US-Dollar auf Ethereum — ein Marktanteil von 58,6 %.1 Die zweitgrößte Chain, BNB Chain, kommt auf 3,52 Milliarden US-Dollar bzw. 12,2 %.1 Solana belegt den dritten Platz mit 1,45 Milliarden US-Dollar bzw. 5,0 %.1 Stellar, Arbitrum, Avalanche und zkSync hosten jeweils zwischen 0,65 und 0,73 Milliarden US-Dollar, der Rest verteilt sich auf eine Vielzahl neuerer Netzwerke.1

Bemerkenswert ist das Muster, das sich hinter diesen Zahlen abzeichnet: Alle großen Emittenten sind inzwischen Multi-Chain aufgestellt. BlackRocks BUIDL hat sich seit dem Start im Jahr 2024 — damals ausschließlich auf Ethereum — auf heute acht Netzwerke ausgeweitet.2 Franklin Templetons BENJI läuft auf Ethereum, Stellar, BSC, Base, Arbitrum und weiteren Chains. Ondo, Maple und Superstate sind alle auf mindestens drei Chains aktiv.

Wo die tragenden Produkte angesiedelt sind

Das eigentlich aufschlussreiche Detail ist jedoch, welche Chain die Vermögensverwalter für ihr institutionelles Leitprodukt wählen — und nicht für Retail- oder nachgelagerte Anwendungsfälle. Das jüngste und deutlichste Beispiel lieferte der 9. Mai 2026, als BlackRock bei der SEC die Schaffung einer tokenisierten Anteilsklasse für seinen 7 Milliarden US-Dollar schweren Select Treasury Based Liquidity Fund beantragte. Der Transferagent des Fonds, BNY Mellon, wird die offiziellen Eigentumsregister auf Ethereum nach dem ERC-20-Standard führen — einem Standard für fungible, programmierbare Token auf Ethereum.3

Wenn es darum geht, den rechtlich verbindlichen Nachweis darüber, wer was besitzt, auf einer Chain zu registrieren, fällt die Wahl des Emittenten auf Ethereum.

Für Anleger, die ein Engagement in Ethereum selbst abwägen, ist diese Unterscheidung bedeutsamer als der aggregierte Marktanteil. Tokenisierte Fonds sind mit 28,7 Milliarden US-Dollar nach wie vor ein Bruchteil des globalen Geldmarktfondsuniversums, das sich im Bereich von zig Billionen US-Dollar bewegt. Sollte sich die eingeschlagene Richtung bestätigen, dürfte die Chain, auf der letztlich die rechtlich maßgeblichen Eigentumsregister regulierter Fonds geführt werden, kaum eine marginale Infrastrukturkomponente bleiben.

Die Risiken sind real. Die Regulierung tokenisierter Wertpapiere befindet sich in den meisten Jurisdiktionen noch im Entstehen, und Ethereums Kostenstruktur sowie sein Durchsatz stehen täglich im Wettbewerb mit schnelleren Alternativen. Die Multi-Chain-Expansion könnte den Anteil einzelner Netzwerke weiter verwässern. Doch für Berater, die sich fragen, ob die Entwicklung tokenisierter Fonds Ethereum relevanter macht, erfordern die Daten keinen Vertrauensvorschuss. Die Intermediäre haben die Frage bereits beantwortet.

1Token Terminal, Stand 11. Mai 2026

2Unternehmensangaben von BlackRock und Securitize, Stand Mai 2026

3BlackRock-SEC-Einreichungen vom 9. Mai 2026

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