28. Mai 2026     |

Hyperliquid: die Onchain-Börse, die den Großen Konkurrenz macht

Written by CoinShares

Der Großteil des Handelsvolumens im Kryptomarkt fließt nach wie vor durch eine Handvoll großer, zentralisierter Exchanges. Im Erscheinungsbild ähneln sie klassischen Online-Brokern: Der Anleger überweist Kapital, die Plattform verwahrt es, führt die Trades aus, und man ist darauf angewiesen, ihr vollständig zu vertrauen. Hyperliquid wurde entwickelt, um dieselbe Funktion zu erfüllen – mit einem Unterschied, der sich als entscheidend erweist: Die Exchange selbst läuft auf einer Blockchain.

Das klingt nach einer Kleinigkeit. In der Praxis ist es das gesamte Wertversprechen. Das Guthaben liegt in einem verifizierbaren Smart Contract, jedes Order Book ist öffentlich einsehbar, und kein zentrales Unternehmen hält die Schlüssel. Wenn man sich traditionelle Exchanges als Postamt vorstellt, das Briefe hinter verschlossenen Türen sortiert, ähnelt Hyperliquid eher einem öffentlichen Platz, auf dem jedermann den Sortierprozess beobachten kann.

Ein ertragsstarkes Geschäftsmodell

Die Exchange wurde 2023 von einem kleinen Team ehemaliger Ingenieure aus Handelsunternehmen gegründet1 und ist auf Perpetual Futures spezialisiert – Kontrakte, die es Tradern ermöglichen, mit Hebel auf den Preis von bitcoin, ether und anderen Assets zu setzen. Dies ist das volumenstärkste Einzelprodukt im gesamten Kryptomarkt, das den Spothandel weit in den Schatten stellt, und genau hier hat Hyperliquid seinen Vorsprung aufgebaut.

Die Zahlen sind bemerkenswert. In den 30 Tagen bis zum 11. Mai 2026 bewegten Trader $183 Milliarden an Perpetual-Contract-Volumen über die Plattform2 und generierten dabei rund $48,7 Millionen an Gebühren im selben Zeitraum. Auf Jahressicht schärft sich das Bild weiter: $2,85 Billionen an nominellem Handelsvolumen und $884 Millionen an Gebühren in den vergangenen zwölf Monaten. Zum Vergleich: Damit liegt Hyperliquid bei dieser Kennzahl etwa zehnmal vor seinem nächsten Onchain-Wettbewerber und in Schlagdistanz zu einigen der Offshore-zentralisierten Exchanges, die diesen Markt seit Jahren dominieren.

Zwei Designentscheidungen erklären einen Großteil dieses Erfolgs. Erstens hat das Team eine eigens entwickelte Blockchain als Grundlage der Exchange gebaut, anstatt auf eine fremde Infrastruktur zu setzen. Dies ermöglicht eine Transaktionsgeschwindigkeit, die einer herkömmlichen Exchange entspricht – weit entfernt von der trägen, durch gas fees belasteten Erfahrung früherer Onchain-Plattformen. Zweitens gibt es den HLP Vault: einen Kapitalpool aus Nutzereinlagen, der als institutionelle Gegenpartei fungiert und einen Anteil der von der Exchange generierten Gebühren vereinnahmt3. Jeder kann Kapital einzahlen, und Renditen sowie Risiken sind onchain einsehbar.

Eine Börse für alle

Noch interessanter ist die strategische Entwicklungsrichtung. Durch eine Reihe von Protokoll-Upgrades hat das Team begonnen, die Plattform zu öffnen, sodass externe Entwickler Hyperliquid als Infrastruktur für ihre eigenen Märkte nutzen können. Die anschaulichste Analogie: Man stelle sich vor, jeder könnte eine neue Abteilung der Londoner Börse eröffnen und dort beliebige Instrumente listen – vorausgesetzt, er hinterlegt eine substanzielle Sicherheitsleistung.

Das erste derartige Upgrade, bekannt als HIP-3, wurde 2025 aktiviert und ermöglicht es jedem, der bereit ist, 500.000 HYPE Token zu staken, einen eigenen Perpetual-Futures-Markt auf der Infrastruktur von Hyperliquid zu betreiben4. Die Funktion wurde genutzt, um tokenisierte Aktien, Rohstoffe und weitere Assets zu listen, die das Team selbst nie genehmigen musste. Das Open Interest in diesen von Buildern betriebenen Märkten überstieg innerhalb weniger Monate $1,4 Milliarden, und tokenisierte Aktien sowie Rohstoffe machen bereits 23 der 30 meistgehandelten Handelspaare der Plattform aus5. Ein zweites Upgrade, HIP-4, befindet sich derzeit in der Testphase und würde dasselbe für binäre „Outcome“-Märkte ermöglichen – die Art, die für Prediction Markets und Event-Trading verwendet wird6,7.

Der strategische Kern ist eindeutig. Jedes Upgrade erweitert die Bandbreite handelbarer Instrumente auf Hyperliquid, ohne dass das Team die Märkte selbst aufbauen muss. Funktioniert das Modell, hört die Exchange auf, lediglich eine Exchange zu sein, und entwickelt sich zu einer Infrastruktur, über die andere Unternehmen ihren Orderflow leiten. Das ist strukturell belastbarer als der Betrieb eines einzelnen Produkts.

Die Risiken sind real und verdienen eine klare Benennung. Hyperliquid ist jung, wird von einem kleinen Team geführt, und das Wachstum verlief so rasant, dass die Plattform noch keinen vollständigen Kreditzyklus durchlaufen hat. Der regulatorische Rahmen für Onchain-Derivate – insbesondere Prediction Markets – ist in den meisten Jurisdiktionen, einschließlich Deutschlands, noch nicht abgeschlossen. Und obwohl der HLP Vault transparent ist, handelt es sich nach wie vor um ein konzentriertes Risiko: Eine hinreichend große nachteilige Marktbewegung könnte zu Verlusten für die Einleger führen.

Derzeit ist Hyperliquid gleichwohl das deutlichste Beispiel für eine funktionsfähige Onchain-Alternative zum zentralisierten Börsenmodell – und eine, die ihren Wirkungskreis kontinuierlich ausweitet. Ob dies die Handelsstruktur im Kryptomarkt grundlegend verändert oder sich als profitables Nischenmodell etabliert, wird sich in den nächsten achtzehn Monaten zeigen.

1Hyperliquid Foundation, öffentliche Dokumentation, Mai 2026

2Token Terminal, 11. Mai 2026

3Token Terminal, 11. Mai 2026

4Hyperliquid Documentation, HIP-3: Builder-deployed perpetuals, Mai 2026

5CoinGecko, „Hyperliquid’s HIP-3 & HIP-4: Tokenized Stocks and Prediction Markets“, Mai 2026

6Hyperliquid Documentation, HIP-4, Mai 2026

7CoinDesk, „Hyperliquid’s HYPE Higher by 10% on Plans to Add Prediction Markets and Options“, Februar 2026

Written by CoinShares

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