Die Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft stiegen im Juni nur um 57.000, gegenüber einem Konsens von 115.000, während die Arbeitslosenquote von 4,3% auf 4,2% fiel.1 Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen fiel nach der Veröffentlichung um mehr als fünf Basispunkte, und Bitcoin erholte sich von seinem Zyklustief nahe $57,000, ein Beleg für die anhaltend hohe Sensitivität gegenüber kurzfristigen Zinserwartungen.
Der Rückgang der Arbeitslosenquote und der schwache Stellenaufbau senden gemischte Signale, doch ein einzelner schwacher Bericht hebt die grundsätzliche Restriktion nicht auf. Die Federal Reserve beließ die Zinsen auf ihrer Juni-Sitzung, der ersten unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh, bei 3,5% bis 3,75%, und die Projektionen fielen restriktiver statt lockerer aus: Die mediane Zinsprojektion für Ende 2026 stieg von 3,4% im März auf 3,8%, wobei 17 von 18 Mitgliedern das Inflationsrisiko als aufwärtsgerichtet einschätzen. Warsh verwies auf die Energiepreiseffekte des Iran-Konflikts als Teil des Inflationsbilds. Die Fed-Projektionen bewegen sich damit in die entgegengesetzte Richtung zur heutigen Datenlage, und ein einzelner schwacher Bericht reicht selten aus, um eine echte geldpolitische Wende zu signalisieren.
Unter der Oberfläche sieht das Bild solider aus, als es die Stimmung vermuten lässt. Die Verteilung durch Großanleger scheint abgeschlossen: Die Kohorte mit über 100.000 BTC hat am Höchststand im Oktober 2025 rund $39B verteilt, dieser Verkaufsdruck ist inzwischen zum Stillstand gekommen und einer der größten Belastungsfaktoren aus 2025 fällt damit weg.
Die Flussdaten deuten eher auf eine Rotation als auf strukturelle Schäden hin. Bitcoin-ETPs verzeichnen seit Jahresbeginn emittentenübergreifend Nettoabflüsse von rund $2,7B, während KI-ETFs im selben Zeitraum rund $5,5B an Zuflüssen verbuchten.2 Das Kapital fließt damit eher in das derzeit am stärksten überlaufene Marktthema, als dass es die Bitcoin-These grundsätzlich infrage stellt. Für Berater, die Kundenportfolios beobachten, ist diese Unterscheidung wichtig: Mittelabflüsse allein sagen wenig darüber aus, ob sich die langfristige Investmentthese verändert hat. Solche Kapitalungleichgewichte haben sich in der Vergangenheit wieder aufgelöst, meist sobald das überlaufene Thema selbst neu bewertet wird.
Der Grund zur Vorsicht bleibt bestehen: Eine lockerere Geldpolitik ist nicht in Sicht, und die Fed-Projektionen bewegen sich eher davon weg. Großanleger haben zwar aufgehört zu verkaufen, akkumulieren aber noch nicht wieder. Das potenzielle Angebot im Zusammenhang mit Strategy (MSTR) bleibt ein Belastungsfaktor, der Iran-Konflikt sorgt weiter für eine Öl- und Rezessionsprämie, und die regulatorische Dynamik hat nachgelassen, da die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung des CLARITY Act angesichts eines dichteren Senatskalenders sinkt.
Für Berater ist die Botschaft eher Geduld als Überzeugung. Die Fluss- und Angebotsdynamik spricht für die Bildung eines zyklischen Tiefs, der Katalysator für eine neue Aufwärtsbewegung fehlt jedoch weiterhin. Es handelt sich vermutlich um die frühe Phase eines Bodenbildungsprozesses, nicht um die Bestätigung einer Trendwende. Zu beobachten sind eine mögliche Lockerung der Fed-Kommunikation, eine Rückkehr der Großanleger zur Akkumulation sowie ein Nachlassen der Rotation in KI-ETFs. Sollte einer dieser Faktoren kippen, würde dies die These eines belastbaren Tiefs stärken; bleiben alle drei unverändert, ist eher mit einer Fortsetzung der Seitwärtsbewegung als mit einem klaren Ausbruch zu rechnen.
Quellen
1 US Bureau of Labor Statistics, 2 Jul 2026
2 Bloomberg, CoinShares, Stand 2 Jul 2026
