Bitcoin fiel diese Woche kurzzeitig auf 58.000 USD, bevor er sich deutlich erholte. Der Verlauf deutet auf einen spürbaren Widerstand bei 60.000 USD hin, während die Stärke der Erholung zugleich echtes Kaufinteresse bei Rücksetzern zeigt.
Zwei makroökonomische Kräfte prägen das kurzfristige Bild. Die erste ist eine von Aktien getriebene Risk-off-Rotation. Der Morningstar AI Index ist in zwei Tagen um 6,1% gefallen, hat das Technologie-Sentiment insgesamt belastet und Anleger in sichere Häfen getrieben, insbesondere den Dollar. Die assetübergreifenden Bewegungen tragen eine klassische Risk-off-Signatur, mit Verlusten beim australischen, neuseeländischen und kanadischen Dollar, während der Yen fest blieb. Die zweite Kraft sind die Zinsen. Der Kern-PCE lag mit 3,4% im Mai im Rahmen der Erwartungen, doch die Konsumausgaben überraschten nach oben, ein weiterer Grund für die Fed, ihre restriktive Haltung beizubehalten. Die Zinserwartungen haben sich nach der ersten Sitzung von Kevin Warsh als Vorsitzender bereits verschoben, und dieses Umfeld länger hoher Zinsen wirkt weiter belastend.
Einzelrisiken verstärken die Vorsicht. STRC, die Renditekomponente von Strategy, ist von pari (100) auf 75 gefallen, SATA (Strive) auf 88. Strategys Bitcoin-Bestand von rund 4% des Gesamtangebots ist kein systemisches Risiko, belastet aber die Stimmung. Globale Emittenten von Krypto-ETPs verzeichneten in dieser Woche bislang Nettoabflüsse von 1,4 Mrd. USD. Ethereum steht vor eigenen Gegenströmungen. Die Ethereum Foundation hat 54 Stellen gestrichen, rund 20% der Belegschaft, im Rahmen einer Reorganisation in fünf Cluster. Das Aufkommen von Ethlabs als neues Machtzentrum in der Kernentwicklung verringert das Monopol der Foundation über Finanzierung und Talente, was vermutlich gesund ist, wenn es Ausführungskapazität schafft, jedoch Governance-Fragen aufwirft.
Ein Signal ist konstruktiver. Die Verkäufe der Großanleger, der wesentliche Auslöser des Oktober-Ausverkaufs, haben deutlich nachgelassen. Ausgehend vom vierjährigen Bitcoin-Zyklus schätzte CoinShares, dass die Verkäufe 6 bis 9 Monate nach ihrem Beginn abklingen würden, was sich weitgehend bestätigt. Die Einschränkung ist, dass diese Gruppe historisch erst zum nächsten Halving, fällig erst 2028, als Käufer zurückkehrt.
Kurzfristig sind verhaltene Bedingungen zu erwarten, wobei die Inflation die zentrale Variable bleibt. Höhere Ölpreise infolge der Iran-Situation dürften die Inflation für mindestens die kommenden Monate hochhalten und die restriktive Haltung der Fed stützen. Eine echte Trendwende beim Sentiment würde wahrscheinlich eine deutliche Verschlechterung der Arbeitsmarktdaten erfordern, wofür es noch kein Anzeichen gibt.
Der andere Belastungsfaktor ist der CLARITY Act, der im Juli 2025 das Repräsentantenhaus passierte und am 14. Mai 2026 mit einem überparteilichen Votum von 15 zu 9 den Bankenausschuss des Senats nahm. Eine Abstimmung im Senatsplenum und die Abstimmung mit der Fassung des Repräsentantenhauses stehen noch aus, was frühestens auf ein Zeitfenster im August hindeutet.
Für Berater lautet die Botschaft: Geduld. Das makroökonomische Umfeld bleibt herausfordernd, doch die nachlassende Aktivität der Großanleger und die stetige Akkumulation bei Rücksetzern deuten darauf hin, dass der Markt einen Boden findet, statt nachzugeben.
