28. Mai 2026     |

Solanas stiller Stablecoin-Boom: wohin sich das echte Kapital bewegt

Written by Citywire

Wer verstehen möchte, was auf einer öffentlichen Blockchain jenseits von Kursspekulation tatsächlich passiert, findet bei Stablecoins die aufschlussreichsten Antworten. Sie sind das unspektakulärste Produkt der Kryptowelt – Dollar-Token, die darauf ausgelegt sind, konstant einen Dollar wert zu bleiben – und zugleich das nützlichste. Sie werden in Sekundenschnelle abgewickelt, überqueren Ländergrenzen ohne Korrespondenzbank, und sie sind zunehmend dort zu finden, wo reale Zahlungsströme ankommen.

Solana ist mittlerweile das drittgrößte Netzwerk der Welt für diese Token. Stand Mai 2026 beläuft sich das Gesamtangebot an auf der Solana-Blockchain ausgegebenen Stablecoins auf $14,5 Milliarden, gegenüber $11,2 Milliarden ein Jahr zuvor – ein Anstieg von knapp 30 %.1 Damit liegt Solana weltweit nur hinter Ethereum und Tron und führt vor allen anderen Hochdurchsatz-Blockchains mit deutlichem Abstand.1

Ein Zweikampf an der Spitze – mit neuen Herausforderern

Der Großteil dieses Angebots konzentriert sich nach wie vor auf zwei Namen. USDC, ausgegeben von Circle, macht $7,72 Milliarden oder 53 % des Gesamtvolumens aus.1 Tethers USDT liegt bei $2,47 Milliarden, entsprechend 17 %.1 Gemeinsam bilden sie die Infrastruktur für den Großteil des Onchain-Handels, der Kreditvergabe und der Zahlungsaktivitäten im Netzwerk.

Aufmerksamkeit verdient, was sich darunter entwickelt. Global Dollar (USDG), ein institutioneller Stablecoin, der von einem Konsortium mit einigen der bedeutendsten Namen aus dem traditionellen Finanzwesen unterstützt wird, steht auf Solana mittlerweile bei $1,55 Milliarden.¹ World Liberty’s USD1 hat $810 Millionen erreicht, und PayPals PYUSD hat die Marke von $700 Millionen überschritten.1 Vor drei Jahren existierte keiner dieser Token auf Solana. Das Muster ist konsistent: Etablierte Finanzinstitute wählen Solana – neben Ethereum – als bevorzugten Ort für die Ausgabe ihrer Dollar-Token.

Stellt man sich einen Stablecoin als digitalen Scheck über einen Dollar vor, lautet die entscheidende Frage: Wer ist bereit, diesen Scheck auszustellen – und welcher Name steht darauf? Die Antwort lautet zunehmend: vertraute Namen aus der Finanzwelt.

Von Handelsinfrastruktur zu Zahlungsinfrastruktur

Das bislang konkreteste Beispiel lieferte der 4. Mai 2026, als Western Union die Einführung seines eigenen Dollar-gedeckten Stablecoins USDPT auf Solana ankündigte.2 Dass ein 175 Jahre altes Remittance-Unternehmen einen regulierten digitalen Dollar ausgibt, ist für sich genommen bereits ein bemerkenswerter Schritt. Die Entscheidung für Solana – anstelle älterer Alternativen – spiegelt wider, was Zahlungsdienstleister heute voraussetzen: hoher Durchsatz, niedrige Gebühren und kontinuierliche Verfügbarkeit.

Die von Western Union genannten Anwendungsfälle sind praxisnah. Das Unternehmen wird USDPT nutzen, um Salden mit seinem weltweiten Agentenetzwerk nahezu in Echtzeit zu begleichen – anstatt über Korrespondenzbanken – und um ein Konsumzahlungsprodukt zu betreiben, das in diesem Jahr in mehr als 40 Ländern eingeführt wird.2 Ziel sei es, laut Unternehmenschef, einen „regulierten digitalen Dollar direkt in unser Netzwerk“ als schnellere Abwicklungsschicht zu integrieren.2

Die zugrunde liegenden Aktivitätsdaten stützen diese Entwicklungsrichtung. Allein USDC verzeichnete auf Solana in den 30 Tagen bis Anfang Mai 2026 ein Transfervolumen von $313 Milliarden1 – ein Wert, der rund 40-mal so hoch ist wie das Onchain-Angebot. Dieses Verhältnis ist aufschlussreich. Es zeigt, dass die Token nicht stillstehen – wie es auf langsameren Blockchains häufig der Fall ist –, sondern wiederholt zwischen Konten bewegt werden, was eher auf Betriebskapital als auf Anlageexposure hindeutet.

Für Anleger ist die Implikation bedenkenswert. Das Wachstum des Stablecoin-Angebots auf einer Blockchain ist eine der wenigen Krypto-Kennzahlen, die nicht von steigenden Token-Kursen abhängt. Sie misst, wie viel tatsächliche Dollar-denominierte Aktivität ein Netzwerk beherbergt. An diesem Maßstab gemessen gehört Solana heute fest zur Spitzengruppe, und die Wachstumskurve zeigt sowohl in steigenden als auch in fallenden Kryptomärkten konstant nach oben.

Es ist noch zu früh, um von einem endgültigen Ergebnis zu sprechen. Die Regulierung von Stablecoins – insbesondere in der EU und den USA – befindet sich weiterhin im Wandel und könnte die Präferenzen zugunsten bestimmter Netzwerke verschieben. Das Konzentrationsrisiko bei den beiden führenden Emittenten bleibt bestehen. Doch wer wissen möchte, wohin sich Kapital im Onchain-Bereich still und leise bewegt, findet bei Solana heute eine fundierte Antwort – und die institutionellen Emittenten stimmen mit ihren Token ab.

1Token Terminal, 11. Mai 2026

2Western Union Investor Relations, „Western Union Launches USDPT on Solana Advancing Regulated Digital Infrastructure for Global Payments“, 4. Mai 2026

Written by Citywire

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