Bitcoin steckt weiter in einer Sommerflaute, und ungewöhnlich niedrige Handelsvolumina machen kurzfristige Kursbewegungen schwerer deutbar. Die Tagesvolumina liegen bei 4 Mrd. $ pro Tag auf vertrauenswürdigen Handelsplätzen, bei ähnlich gedämpfter Aktivität an den Aktienmärkten und in anderen Risikoanlagen. In diesem Umfeld haben relativ kleine Flüsse überproportionalen Einfluss auf den Preis. Berater sollten aus der Tagesvolatilität daher nicht zu viel ableiten.
Das Makrobild ist dennoch unterstützender geworden. Die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten waren deutlich schwach, einschliesslich erheblicher Abwärtsrevisionen: im Schnitt entstanden in den letzten drei Monaten nur rund 20.000 Stellen pro Monat. Der erwartete Beschäftigungsschub durch die Weltmeisterschaft fiel ebenfalls deutlich schwächer aus als angenommen. Gleichzeitig lag der letzte Inflationswert weitgehend im Rahmen der Erwartungen und nähert sich weiter dem Ziel der Fed.
Normalerweise ist schwächere Beschäftigung bei nachlassender Inflation über niedrigere Zinserwartungen klar positiv für Bitcoin. Die erste Reaktion war überraschend verhalten, was jedoch vor allem die fehlende Liquidität widerspiegelt und nicht eine Verschlechterung der Stimmung. Seither haben die Kurse begonnen sich zu erholen, und das Gesamtbild wirkt konstruktiver als zu Wochenbeginn. Bitcoin lief in den letzten fünf Handelstagen nahezu invers zu Gold, was darauf hindeutet, dass es sich derzeit eher wie eine Risikoanlage verhält als wie eine Anlage mit langer Duration.
Globale ETP-Flüsse liefern keine Erkenntnisse
Die Mittelflüsse bleiben ähnlich schwer zu deuten. Die Woche dürfte mit moderaten Abflüssen von rund 150 Mio. $ enden, nach Zuflüssen in der Vorwoche. Im Kontext eines ausgesprochen dünnen Sommermarkts sehen wir darin keinen Beleg für eine echte Stimmungswende. Es passt eher zu einem Markt, der in Wartestellung bleibt, bis Geldpolitik und Konjunkturdaten ein klareres Signal geben. Die geringe Marktbreite bleibt damit der wichtigste Vorbehalt bei der Interpretation dieser Zahlen, und für Berater heisst das vor allem Geduld. Das Jackson Hole Symposium Ende dieses Monats dürfte diese dringend benötigte Klarheit bringen.
Ein Makrorisiko verdient genauere Beobachtung: Japan. Die Renditen japanischer Staatsanleihen steigen weiter, da die heimische Inflation hoch bleibt. Japan war historisch eine bedeutende Nachfragequelle für US-Staatsanleihen. Eine dauerhafte Rotation japanischer Anleger zurück in heimische Anleihen könnte daher die ausländische Nachfrage nach US-Staatsschulden senken und die US-Renditen erneut nach oben treiben.
Das ist noch nicht unser Basisszenario, und der letzte US-Inflationswert hat etwas vom unmittelbaren Druck genommen. Das strukturelle Problem bleibt jedoch. Hohe Emissionsvolumina des US-Treasury bei schwächerer Auslandsnachfrage machen die Anleihemärkte anfälliger für Phasen von Renditevolatilität. Paradoxerweise stärkt das langfristig die Argumente für Bitcoin. Wenn Anleger die Stabilität von Staatsanleihemärkten hinterfragen, gewinnt Bitcoins Rolle als nicht-staatliches, dezentrales Geldgut an Bedeutung.
Daneben hat der Coldcard-Exploit Aufmerksamkeit erregt, weil Hardware-Wallets als eine der sichereren Formen der Eigenverwahrung gelten. Die breitere Lehre betrifft weniger krypto-spezifische Risiken als digitale Infrastruktur allgemein. Krypto-Exploits sind sehr sichtbar, weil Transaktionen on-chain transparent und nachvollziehbar sind. Traditionelle Finanzsysteme haben eine deutlich breitere Angriffsfläche über Datenbanken, Verwahrer, Zahlungsnetze, Register und Abwicklungsinfrastruktur. Da KI Cyberangriffe raffinierter macht, dürften dezentrale Systeme relativ zu stärker zentralisierten profitieren.
Vorerst bleibt Bitcoin in einer Konsolidierung bei niedrigen Volumina. Die Flüsse sind gemischt und die Kursbewegungen verrauscht, aber schwächere Arbeitsmarktdaten, nachlassende Inflation und eine möglicherweise weniger restriktive Fed verbessern das Makrobild allmählich.
