Die vergangenen zwei Monate haben einen ungewöhnlich klaren Stresstest für Anlageklassen unter geopolitischem Druck geliefert. Seit der Eskalation der Iran-Krise am 28. Februar hat Bitcoin rund 23 % zugelegt, während globale Aktien 3,3 % verloren und Gold — traditionell als der sichere Hafen schlechthin positioniert — um knapp 9 % gefallen ist. Diese Woche verstärkte das Muster: Bitcoin gewann weitere 4,5 %, während Gold und Aktien nachgaben. Die Mittelzuflüsse bestätigen die Richtungsüberzeugung — Digital-Asset-Investmentprodukte verzeichneten trotz anhaltender Instabilität rund 1 Mrd. USD an Nettomittelzuflüssen.
Das dominante Makroereignis der Woche war die Bestätigungsanhörung von Kevin Warsh im US-Senat als künftiger Fed-Vorsitzender. Im Zentrum stand die Frage der Unabhängigkeit der Notenbank. Seine Aussagen wurden positiv aufgenommen — Futures bewegten sich kaum, Bitcoin reagierte nicht nennenswert. Unsere Basisannahme bleibt eine Bestätigung vor der Juni-Frist. Warsh dürfte bei der Forward Guidance zurückhaltender agieren als Powell, was für zinssensitive Assets eine weniger klar signalisierte Zinspolitik bedeutet.
Das prägende institutionelle Thema des Monats sind Blockchain-Aktien. Die MTD-Mittelzuflüsse erreichten 615 Mio. USD — ein Monatsrekord — davon allein 289 Mio. USD in dieser Woche. Blockchain-Aktienindizes liegen YTD bei +12 %, Bitcoin-Mining-Benchmarks bei +31 % (Nasdaq: +6,9 %). Treiber ist die strukturelle Neuausrichtung : Eine wachsende Zahl gelisteter Miner repositioniert sich als KI-Infrastrukturanbieter, nutzt bestehende Energieverträge und Rechenzentren für Compute-Kapazität. Für institutionelle Anleger mit Mandaten, die Direktinvestments in Krypto ausschließen, bieten diese Vehikel einen praktischen Zugang zum Thema.
Regulatorisch bleibt der Clarity Act die entscheidende Variable. Das Zeitfenster schließt sich: Ohne Unterzeichnung bis Ende Mai sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Inkrafttretens in diesem Jahr deutlich — einzelne Beobachter sehen den Fahrplan bis 2030 verschoben. Polymarket notiert aktuell bei 45 %.
Die Auswirkungen wären asymmetrisch: BTC und ETH sind vergleichsweise abgeschirmt, DeFi und der breitere Token-Markt deutlich exponierter. Für Banken, die im Custody-Bereich bereits aktiv sind, würde das Gesetz den regulatorischen Rahmen liefern, um ihr Digital-Asset-Geschäft zu skalieren — ein struktureller Wendepunkt für die Anlageklasse.
