März 20, 2026     |

Tokenisierung erklärt: Wie die Blockchain Eigentumsstrukturen neu gestaltet

Written by CoinShares

Tokenisierung – der Prozess, Eigentumsrechte als digitale Token auf einer Blockchain abzubilden – hat sich vom Konzept zur milliardenschweren Realität entwickelt. Der Markt für tokenisierte Real-World-Assets (ohne Stablecoins) hat sich 2025 laut RWA.xyz verdreifacht und rund 19 Mrd. US-Dollar erreicht. Analysten prognostizieren bis 2030 ein Wachstum auf 2 Billionen US-Dollar oder mehr. Für Berater wird es zunehmend relevant zu verstehen, was tokenisiert wird und warum – und an welchen Punkten Blockchain-Infrastruktur mit der traditionellen Finanzwelt zusammentrifft.

Die Mechanik ist einfach. Tokenisierung wandelt Eigentumsrechte – an Immobilien, Wertpapieren oder Rohstoffen – in programmierbare digitale Token um, die auf einer Blockchain erfasst werden. Diese Token können übertragen, gehandelt und teilweise fraktioniert werden, wodurch Liquidität für traditionell illiquide Vermögenswerte entsteht. Smart Contracts automatisieren Funktionen wie Dividendenausschüttungen, Compliance-Prüfungen und die Abwicklung.

Was wird tokenisiert?

Private Credit dominiert derzeit den Markt mit rund 9 Mrd. US-Dollar an tokenisierten Krediten. Figure, der größte Emittent, hat über 12 Mrd. US-Dollar an Home-Equity-Krediten auf seiner Provenance-Blockchain vergeben. Der Vorteil liegt auf beiden Seiten: Investoren erhalten Zugang zu Renditen, die außerhalb institutioneller Kanäle oft nicht verfügbar sind, während Emittenten gleichzeitig Verwaltungsaufwand und Abwicklungszeiten reduzieren.Tokenisierung verwandelt Kredite, deren Settlement Wochen dauern kann, in Vermögenswerte, die innerhalb von Minuten übertragen werden.

Staatsanleihen bilden die zweitgrößte Kategorie. Der im März 2024 aufgelegte BUIDL-Fonds von BlackRock hält inzwischen über 1,8 Mrd. US-Dollar in tokenisierten US-Treasuries. Der BENJI-Fonds von Franklin Templeton auf Stellar hat rund 800 Mio. US-Dollar eingesammelt. Diese Produkte verbinden die Sicherheit von Staatsanleihen mit der 24/7-Verfügbarkeit und Programmierbarkeit der Blockchain. Die institutionelle Nachfrage folgt einem einfachen Wertversprechen: derselbe Basiswert, mit deutlich höherer operativer Effizienz.

Auch Rohstoffe haben ihren Platz gefunden. Goldgedeckte Token wie Paxos Gold (PAXG) und Tether Gold (XAUT) machen den Großteil des rund 2 Mrd. US-Dollar schweren Marktes für tokenisierte Rohstoffe aus. Jeder Token repräsentiert Eigentum an physisch hinterlegtem und verwahrtem Gold und ermöglicht Gold-Exposure ohne den Aufwand physischer Lagerung oder die Tracking-Differenzen klassischer Derivate.

Ethereum führt

Ethereum bleibt die dominierende Infrastruktur mit rund 12 Mrd. US-Dollar an tokenisierten Vermögenswerten – etwa zwei Drittel des Marktes. Sein etabliertes Ökosystem, seine Sicherheitsbilanz und die breite institutionelle Vertrautheit machen es zur ersten Wahl für regulierte Emittenten. BlackRock startete BUIDL beispielsweise zunächst auf Ethereum, bevor eine Expansion auf andere Netzwerke erfolgte. Auch Ethereum-kompatible Netzwerke (Layer-2-Lösungen) wie Arbitrum, Base oder Polygon ermöglichen Tokenisierung zu geringeren Kosten.

Tokenisierung ist jedoch keine reine Ethereum-Story. Solanas RWA-Aktivität erreichte 2025 rund 2,4 Mrd. US-Dollar und wuchs um 200 % gegenüber dem Vorjahr – begünstigt durch niedrige Transaktionskosten und hohe Durchsatzraten. Auch Avalanche zieht institutionelle Akteure an, unter anderem durch seine Subnet-Architektur (sekundäre Netzwerke), die maßgeschneiderte Compliance-Umgebungen erlaubt. So gibt beispielsweise das Dubai Land Department inzwischen Eigentumszertifikate auf einem Avalanche-Subnet aus.

Warum das relevant ist

Für Berater ergeben sich mehrere praktische Implikationen. Erstens verändert Tokenisierung nicht die Natur eines Vermögenswerts – sondern die Art, wie Eigentum erfasst und übertragen wird. Eine tokenisierte Treasury Bill bleibt eine Treasury Bill; das zugrunde liegende Risikoprofil bleibt bestehen.

Zweitens sind nicht alle Token gleich. Manche repräsentieren direktes Eigentum, andere sind synthetische Instrumente, die lediglich Preise nachbilden, ohne dabei Eigentumsrechte oder Aktionärsrechte zu übertragen. Eine sorgfältige Prüfung der rechtlichen Struktur ist daher essenziell. Drittens entwickeln sich regulatorische Rahmenwerke weiter, sind jedoch noch nicht einheitlich. Die EU-Verordnung MiCA schafft teilweise Klarheit, während die Regulierung in den USA fragmentiert bleibt. Die Einordnung von Token – als Wertpapiere, Rohstoffe oder andere Kategorien – bestimmt, welche Schutzmechanismen Investoren erhalten.

Tokenisierung ist Infrastruktur, keine eigene Anlageklasse. e mehr traditionelle Vermögenswerte on-chain gehen, desto besser sind Berater aufgestellt, die die Mechanik dahinter verstehen und die Produkte einordnen können, die aus diesem Wandel entstehen.

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