In den vergangenen zwei Jahren hat sich Bitcoin eng an die US-Geldpolitik gekoppelt — Hoffnungen auf Zinssenkungen trieben den Kurs, hawkische Signale drückten ihn. Diese Beziehung scheint sich zu lockern. Geopolitische Entwicklungen, insbesondere ihre Auswirkungen auf die Ölmärkte, bestimmen die Preisbewegungen zunehmend, so das Research-Team von CoinShares.
Unerwartete Widerstandsfähigkeit
Seit der Eskalation der Spannungen rund um den Iran hat Bitcoin rund 10 % zugelegt, während Aktien nachgaben und Gold nur modest zulegte. Bemerkenswert ist der Bruch mit dem historischen Verhalten: Bei geopolitischen Schocks der Vergangenheit wurde Bitcoin typischerweise massiv verkauft. Dieses Mal hat das Asset den Druck absorbiert.
Mehrere Faktoren erklären diese Resilienz. Der Markt befand sich vor dem Ereignis in einem ungewöhnlich bereinigten technischen Zustand. Hebel-Quoten hatten sich von rund 33 % im Oktober 2025 auf etwa 25 % normalisiert, nahe dem langfristigen Durchschnitt. Bewertungsmetriken signalisierten, dass Bitcoin unter seinem realisierten Wert gehandelt wurde — ein Signal, das historisch mit zyklischen Markttiefs assoziiert wird.
Makroökonomischer Druck
Auf dem Wirtschaftsfront enttäuschte der US-Beschäftigungsbericht für Februar erheblich: rund -90.000 Stellen gegenüber einem Konsens von +60.000. Unter normalen Umständen hätte eine solche Verfehlung eine deutliche Neubewertung der Zinssenkungserwartungen ausgelöst. Die Märkte haben sie weitgehend ohne größere Reaktion verarbeitet — ein klares Zeichen, dass sich der Fokus der Anleger auf Energiemärkte und ihre Inflationsimplikationen verlagert hat.
Die US-Benzinpreise sind seit Beginn der geopolitischen Spannungen um rund 25 % gestiegen, und bevorstehende Inflationsdaten werden dies wahrscheinlich widerspiegeln. Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinssenkung im Juni ist auf rund 20 % gesunken — den niedrigsten Stand dieses Zyklus.
Krypto-ETPs verzeichnen 1,4 Mrd. USD Zuflüsse
Investmentprodukte auf digitale Assets (ETPs) verzeichneten drei aufeinanderfolgende Wochen mit Nettozuflüssen, insgesamt rund 1,4 Milliarden US-Dollar seit Beginn der Iran-Krise. Die Persistenz dieser Zuflüsse deutet darauf hin, dass institutionelle Anleger ihr Bitcoin-Engagement nicht nur aufrechterhalten, sondern in Phasen geopolitischer Turbulenzen aktiv ausbauen — ein Verhalten, das eher einer Safe-Haven-Allokation als spekulativem Risikoverhalten entspricht.
Fazit
Bitcoin scheint einen grundlegenden Wandel zu durchlaufen: vom reinen Liquiditätsproxy zu einem Asset mit echter geopolitischer Absicherungsfunktion. Sollte sich diese Dynamik festigen, stärkt dies das Argument für Bitcoin in einem Umfeld anhaltender geopolitischer Spannungen und einer durch Energieinflation eingeschränkten Geldpolitik.
