März 30, 2026     |

Märkte überbewerten restriktive Wende, Bitcoin bleibt stabil

Written by CoinShares

Die Zentralbanken schlagen wieder einen härteren Ton an, und die Märkte hören zu — vielleicht etwas zu aufmerksam. Die Erwartungen an Zinserhöhungen wurden in den USA, der Eurozone und im Vereinigten Königreich nach einer Welle restriktiver Signale deutlich nach oben angepasst. Es lohnt sich jedoch, einen Schritt zurückzutreten und zu hinterfragen, ob dies tatsächlich einen grundlegenden Kurswechsel widerspiegelt oder lediglich reflexartiges Positionieren ist. Unsere Einschätzung tendiert klar zu Letzterem.

Ein Großteil der jüngsten Bewegung wurde durch den Iran-Konflikt ausgelöst. Mit dem Schwinden der Hoffnung auf eine schnelle Lösung haben sich die Erwartungen für die FOMC-Sitzung im Juni stark verschoben: Noch vor wenigen Wochen wurden Zinssenkungen eingepreist, inzwischen wird eine Zinserhöhung mit einer Wahrscheinlichkeit von 15 % bewertet. Diese deutliche Neubewertung hat zusammen mit dem üblichen monatlichen Verfall von Optionen die Risikoanlagen insgesamt belastet.

Bitcoin blieb davon nicht verschont. Nachdem sich Bitcoin seit Beginn der Krise weitgehend von makroökonomischen Einflüssen entkoppelt hatte, ist zuletzt wieder eine stärkere Korrelation zu beobachten — ein Zeichen für den abrupten Stimmungsumschwung. Dennoch bleibt die relative Performance überzeugend: Seit Beginn des Konflikts liegt Bitcoin weiterhin 6,4 % im Plus, während europäische Aktien 9,1 % verloren haben und Gold überraschend um 14,4 % gefallen ist. Trotz der Schlagzeilen zeigt sich Bitcoin weiterhin widerstandsfähig.

Die zentrale Frage ist, ob die Zentralbanken den richtigen Kampf führen. Der aktuelle Inflationsimpuls ist weiterhin überwiegend angebotsseitig getrieben — insbesondere durch Energie — und nicht durch eine breit angelegte Nachfrage- oder Lohnspirale, auf die Zinserhöhungen wirksam abzielen. Die geldpolitischen Entscheidungsträger reagierten 2022 bekanntermaßen zu spät, was heute zu einer Tendenz zu präventiver Straffung führt. Doch die aktuellen Rahmenbedingungen unterscheiden sich deutlich: Die Nachfrage ist schwächer, der binnenwirtschaftliche Inflationsdruck weniger persistent und die Wachstumsaussichten verschlechtern sich. Zinserhöhungen in diesem Umfeld könnten die wirtschaftliche Aktivität dämpfen, ohne das zugrunde liegende Problem zu lösen. Die Hürde für weitere Straffungen sollte unserer Ansicht nach deutlich höher liegen, als es die aktuelle Marktbewertung nahelegt.

Auf regulatorischer Ebene nimmt der CLARITY Act weiter Gestalt an. Der Bankenausschuss des Senats hat den neuesten Entwurf zwar noch nicht öffentlich gemacht, doch Branchenvertreter erhielten Anfang der Woche Einblick in den Text. Die wichtigsten Änderungen betreffen Stablecoin-Belohnungen und fallen weniger restriktiv aus als befürchtet.

Intermediäre wie Börsen dürfen keine Renditen auf Stablecoin-Guthaben anbieten, die Bankeinlagen ähneln — was weitgehend erwartet wurde. Belohnungen, die an Transaktionsaktivitäten geknüpft sind, sind jedoch ausdrücklich zulässig, ebenso wie Treue-, Promotions- und abonnementbasierte Programme, wobei Letztere etwas großzügiger ausgestaltet sind als erwartet. SEC, CFTC und das US-Finanzministerium sollen innerhalb eines Jahres die genauen Rahmenbedingungen festlegen, was unter der aktuellen Regierung als umsetzbar erscheint. Dies stellt einen deutlichen Fortschritt gegenüber dem früheren Vorschlag von Senator Tillis dar, Stablecoin-Belohnungen vollständig zu verbieten, was COIN im Januar dazu veranlasste, seine Unterstützung für den damaligen Entwurf zurückzuziehen.

Im Mining-Sektor zeigt sich ein Bild struktureller Transformation unter erheblichem finanziellen Druck. Der Hashpreis ist auf etwa 28 bis 30 US-Dollar pro PH/s/Tag gefallen — ein Tiefstand nach dem Halving — während die gewichteten durchschnittlichen Produktionskosten für einen Bitcoin im vierten Quartal 2025 rund 80.000 US-Dollar erreichten. Zwischen 15 % und 20 % der globalen Kapazitäten arbeiten inzwischen unrentabel.

Die Reaktion ist eine klare Neuausrichtung hin zu KI und Hochleistungsrechnen. Im börsennotierten Mining-Sektor wurden kumulierte KI/HPC-Verträge im Wert von über 70 Milliarden US-Dollar angekündigt. Einige Betreiber könnten bis Ende 2026 bis zu 70 % ihrer Einnahmen aus KI-Infrastruktur erzielen. Unternehmen wie WULF, CORZ, CIFR und HUT entwickeln sich faktisch zu Rechenzentrumsbetreibern.
Diese Transformation ist jedoch kostspielig. Die Verschuldung ist stark gestiegen: IREN hält Wandelanleihen im Umfang von 3,7 Milliarden US-Dollar, WULF weist eine Gesamtverschuldung von 5,7 Milliarden US-Dollar auf, und CIFR hat vorrangig besicherte Anleihen im Wert von 1,7 Milliarden US-Dollar emittiert. Das Risikoprofil des Sektors hat sich grundlegend verändert. Die Märkte spiegeln dies wider: Miner mit gesicherten HPC-Verträgen werden derzeit mit EV/NTM-Umsatzmultiplikatoren von 12,3x bewertet, während reine Mining-Unternehmen bei 5,9x liegen. Die Branche hat sich klar aufgespalten, und die Bewertungslücke dürfte sich weiter vergrößern. Ein ausführlicher Bericht ist hier verfügbar.

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